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Das Thema im Unterricht der Sekundarstufe II

Für den Unterricht in der Sekundarstufe II eignet sich das Thema Zwangsarbeit hervorragend, um die in der Sekundarstufe I erworbenen Kenntnisse über den Nationalsozialismus zu vertiefen und durch selbstständiges Arbeiten mit einem erweiterten Spektrum von Lern- und Arbeitsformen eigenständig zu bearbeiten.

Als einen unverzichtbaren Gegenstandsbereich im Geschichtsunterricht der Oberstufe nennt der Lehrplan die wiederholte Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Herrschaft, um mit einer problemorientierten Untersuchung komplexere Ursachenzusammenhänge aufzudecken. 1) Bei der Beschäftigung mit dem Thema Zwangsarbeit können verschiedene Ausprägungen des nationalsozialistischen Regimes behandelt werden. Anhand der Deportation und Unterbringung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter können die Strukturen der totalitären und menschenverachtenden Herrschaftsform untersucht werden.

Der Bereich ideologische Grundlagen des Nationalsozialismus lässt sich am Rassenwahn, der den Arbeitseinsatz der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter beim "Herrenvolk“ begründete, erforschen. Weitere Bereiche sind die Kriegswirtschaft und der militärische Zusammenbruch sowie die Frage nach Wiedergutmachung und dem Umgang mit Entschädigung, ein Bereich, der bis in die aktuelle politische Diskussion wirkt.

Das Thema Zwangsarbeit bietet auch gute Möglichkeiten für eine orts- und regionalgeschichtliche Behandlung, da Zwangsarbeit in jeder Gemeinde und in jedem Stadtteil geleistet wurde und sich fast überall Lager für die Unterbringung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter befanden. Auch wenn die Spuren der Zwangsarbeit heute kaum noch zu finden sind, lassen sich die Firmen, bei denen die Zwangsarbeit geleistet wurde und die Orte, an denen sich Lager befanden, anhand von Archivalien, zeitgenössischen Karten, Fotos und Zeitungsartikeln oder einer Befragung von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen immer noch ermitteln.

Die Orts- und Regionalgeschichte ist einer der vier in den Richtlinien festgelegten Handlungs- bzw. Kulturräume. 2) Dabei kommt es auf eine Verschränkung von Mikro- und Makrogeschichte an. Die Beschäftigung mit Lokalgeschichte kommt dem Lerninteresse der Schülerinnen und Schüler entgegen, da hier konkrete und überschaubare Ereignisse im ihrem unmittelbaren Erfahrungsraum behandelt werden. Die Auseinandersetzung mit der Zwangsarbeit unter der nationalsozialistischen Herrschaft eignet sich hervorragend für ein projektorientiertes Unterrichtsverfahren, wie es in den Richtlinien für Themen des Handlungsraums 1 gefordert wird. 3)

Für solch ein lokalgeschichtliches Projekt kann die Ausstellung "Zwangsarbeit in Rheinland und Westfalen“ zum Ausgangspunkt werden, denn die Ausstellung zeigt unabhängig von der inhaltlichen Seite einen Querschnitt durch die Quellen zur Zwangsarbeit und erleichtert damit den Schülerinnen und Schülern die Materialsuche. Außerdem gehört zu jedem Ausstellungsort auch ein lokalgeschichtlicher Teil. Viele Archive haben in den letzten Jahren ihre Archivalien intensiv nach Hinweisen auf Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter untersucht und können daher bei einer ortsgeschichtlichen Untersuchung zur Zwangsarbeit häufig weiterhelfen.

Eine Projektarbeit bietet für die Schülerinnen und Schüler eine gute Möglichkeit selbstständig und entdeckend zu arbeiten sowie die erworbenen fachspezifischen wissenschaftspropädeutischen Arbeitsmethoden 4) anzuwenden und ist somit eine gute Vorbereitung auf ein späteres wissenschaftliches Studium.

Die Unterrichtsreihen und das Quellenmaterial auf der CD-ROM sowie das Video mit Zeitzeugenberichten sollen es erleichtern, den Besuch der Ausstellung "Zwangsarbeit in Rheinland und Westfalen 1939 – 1945“ an den Geschichtsunterricht anzubinden.

Anmerkungen

1) Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II – Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen Geschichte, Frechen 1999, S. 33.
2) Ebd. S. 26
3) Ebd. S. 30
4) Zu den Arbeitsmethoden vergleiche: Ebd. S. 48


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