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Lebensbedingungen

Hygiene

Die sanitären und hygienischen Verhältnisse waren vor allem in den großen Lagern häufig so schlecht, dass sich Krankheiten schnell ausbreiten konnten. Dies lag am schlechten Allgemeinzustand der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen sowie an fehlenden Wasch- und Reinigungsmitteln sowie an der hohen Belegungszahl.

Besonders Frauen hatten unter der mangelhaften hygienischen Situation zu leiden. So hing beispielsweise die Versorgung mit Watte für die Menstruation von der jeweiligen Lagerführung ab. Es ist durchaus vorgekommen, dass den Frauen die notwendigen Artikel aus Schikane verwehrt wurden.

Medizinische Versorgung

Ausländische Zivilarbeiter und -arbeiterinnen gehörten mit Ausnahme der "Ostarbeiter“ grundsätzlich einer Krankenkasse an und zahlten Beiträge. Trotzdem war ihre medizinische Versorgung nur sehr dürftig und hing vom Ermessen der Kasse ab. Bei einer Genesungsdauer von mehr als 3 Wochen, verweigerten die Krankenkassen die Behandlung. Der kranke Ausländer wurde dann in sein Heimatland abgeschoben.

Osteuropäer waren bis 1944 sogar von jedwedem Krankenversicherungsschutz ausgeschlossen. Wenn überhaupt, wurden sie lediglich in Krankensammellagern behandelt. Diese Lager verfügten nur über eine dürftige Ausstattung. Die Pflege sowie Hygiene und Ernährung der Kranken spottete jeder Beschreibung.

Dauerhaft arbeitsunfähige Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen wurden seit Sommer 1944 in "Heil- und Pflegestätten“ eingeliefert. Tatsächlich wurden diese Menschen ermordet.

Seelsorge, Bestattungen

Eine seelsorgerische Betreuung der ausländischen Arbeiter und Arbeiterinnen durch deutsche Geistliche war seit Juni 1942 verboten. Verstorbene Osteuropäer waren auf einem Friedhof außerhalb der allgemeinen Gräberreihen zu beerdigen.

Das religiöse Bekenntnis der Menschen, spielte bei der Auswahl des Friedhofes keine Rolle. Bei den Beerdigungen waren Geistliche nicht zugelassen. Lediglich "geeignete Ostarbeiter“ durften die Beerdigungsfeierlichkeiten durchführen. Bei einem vorhandenen Krematorium waren die Toten zu verbrennen.

Freizeit

Die Zeit außerhalb ihrer Arbeit hatten die Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen im Lager zu verbringen. Ausgang wurde nur sonntags in geschlossenen Formationen gewährt.

Vergnügungsveranstaltungen für ausländische Arbeitskräfte waren selten. Zuständig für diese Freizeitaktivitäten war die Deutsche Arbeitsfront (DAF). Sie organisierte z.B. Ausflüge, Varietés, Filmvorführungen und Gaststättenbesuche.

Dahinter stand die Erkenntnis, dass man den Ausgang nicht gänzlich verwehren konnte, wenn man die ausländischen Arbeiter und Arbeiterinnen halbwegs bei Laune halten wollte. Bei den organisierten Veranstaltungen hatte man sie aber immerhin unter Kontrolle.

Nicht selten waren die Freizeitmöglichkeiten auch in das Belohnungs- und Bestrafungssystem der Betriebe gestellt. Gewährt wurden Freizeitveranstaltungen nur denjenigen Arbeitskräften, die ihr Leistungssoll erfüllten.


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